Nachdem ich endlich, endlich mit dem 5. Band der Clan-der-Otori-Reihe fertig war, habe ich mich auch gleich auf das nächste Buch gestürzt: Walter Moers “Wilde Reise durch die Nacht”. Ich bin auch innerhalb weniger Tage mit dem Buch durch gewesen, was bei 215 Seiten auch nicht allzu schwer war. Mir war weder der Titel noch der Autor zuvor ein Begriff, doch ich muss sagen, dass unser DS-Lehrer eine gute Wahl getroffen hat, als er es unserem Kurs zur Verabschiedung schenkte :)

Walter Moers erzählt eine fiktive Geschichte über den real existierenden Maler und Illustrator Gustave Doré, der seine größten Erfolge Mitte des 19. Jahrhunderts aufzuweisen hatte.
(Vorsicht, Spoiler!)
Die Handlung beginnt unmittelbar auf hoher See. Der zwölf jährige Gustave ist der Kapitän der Aventure und muss sich direkt mit einem Siamesischen Zwillingstornado auseinander setzen und verliert sein Schiff sowie seine gesamte Crew. Als sich der Sturm in die Lüfte erhebt und wieder Ruhe einkehrt, bemerkt Gustave die Anwesenheit des Todes und dessen Schwester Dementia. Sie beide sind gekommen, um Gustaves Seele zu holen und spielen auf den Planken des Wracks mit Würfeln um ihn. Zunächst scheint Dementia mit zwei mal zwei 6en und einmal 5 und 6 das Spiel um seine Seele gewonnen zu haben, doch der Tod trumpft mit drei Mal zwei 6en auf und gewinnt. Nun verlangt er Gustaves Tod, um den Seelensarg zu füllen und verrät ganz nebenbei das Geheimnis des Universums: Ohne Sonne kein Leben, ohne Leben keine Seelen, ohne Seelen keine Sonne – der ewige Kreislauf des Lebens. Denn der Tod tönt groß rum, dass er die Seelen bräucht, um damit die Sonne an zu heizen.
Aber Gustave will nicht sterben und fragt nach einem anderen Weg. Nur äußerst ungern gibt der Tod zu, dass man ihm mit viel Glück tatsächlich entkommen kann. Der Tod stellt Gustave 6 schier unmöglich scheinende Aufgaben:
Aufgabe 1: Du befreist eine schöne Jungfrau aus den Klauen eines Drachen!
Aufgabe 2: Du durchquerst einen Wald voller bösartiger Gespenster, wobei du dich möglichst auffällig benimmst!
Aufgabe 3: Du errätst die Namen von 6 Riesen!
Aufgabe 4: Du bringst mir einen Zahn vom Schrecklichsten Aller Ungeheuer!
Aufgabe 5: Du begegnest dir selbst!
Die letzte Aufgabe bekommt er erst gestellt, wenn er bis zum Ende der Nacht alle Aufgaben erledigt hat und den Tod in seinem Haus am Mare Tranquillitatis auf dem Mond besucht.
Noch einmal bietet der Tod an, dass sich Gustave selbst umbringen darf, doch Gustave nimmt die Aufgaben an und seine Reise beginnt auf der Insel der gepeinigten Jungfrauen. Sein Begleiter ist ein Greif, der ein Diener des Todes ist und ihn über die Umstände auf der Insel aufklärt. So sind die Jungfrauen gar nicht gepeinigt und tun nur so, als ob sie Hilfe benötigten, um Männer an zu locken. Und nicht die Lindwürmer würden die nackten Jungfrauen bedrohen, sondern umgekehrt – es wäre ein Leichtes für die Jungfrauen, die Lindwürmer zu fangen und sie komplett zu verarbeiten. Manchen gelänge es sogar, einen der Drachen zu zähmen und ihn zu dressieren!
Gustave glaubt das nicht so recht und ist wahrlich begeistert von dem Anblick der nackten Frauen, die kichernd nach Hilfe rufen.
Doch schließlich treffen sie wirklich auf eine angekettete Jungfrau auf einem Felsen unter der sich ein wütender Lindwurm windet und Gustave greift auf dem Greif an. Doch der Greif stoppt mitten in dem Angriff, sodass die Lanze bricht und Gustave ins Meer geschleudert wird. Gustave kann nicht verstehen, wieso der Greif das tut, doch der sagt nur, dass er nun mal ein Diener des Todes sei.
In seiner schweren Rüstung versinkt Gustave natürlich und kämpft zunächst nicht gegen das Ertrinken an. Er macht Bekanntschaft mit der letzten Qualle, die allen Ertrinkenden erscheint und unterhält sich mit ihr. Er solle einfach auf das weiße Licht zu gehen und tatsächlich kann er ein Licht erkennen, in dem eine große Flügeltür erscheint, in der Dementia zu erkennen ist. Er realisiert seinen bevorstehenden Tod und kämpft sich aus seiner Rüstung, sodass er mit dem Schwert wieder an die Oberfläche schwimmen kann. Dort schlitzt er dem Lindwurm von unten den Bauch auf und tötet ihn so. Der Greif ist überrascht, dass Gustave überlebt und die Jungfrau ist wütend, dass er ihren dressierten Drachen getötet hat. Sie wendet sich kalt von ihm ab und in dem Moment bricht Gustaves Herz, denn er hat sich bereits in die schöne Nackte verliebt, die sich nun von ihm abwendet.
Paralysiert wird er von dem Greif zu einer anderen Insel gebracht und kommt dort zu ein wenig Schlaf. Dort trifft er auf seinen nächsten Begleiter, das sprechende Pferd Pancho, das seine Rüstung im Wald verloren hat und ihn durch den Wald der Gespenster trägt.
Sie treffen im Wald auf eine alte, verwirrt erscheinende Frau, die sich als Gustaves Traumprinzessin heraus stellt und ihm rät, schnell weiter zu reiten. Da er ja aber den Wald auffällig durchqueren soll, stimmt Pancho ein Lied an, sodass die gesamten Ungeheuer des Waldes auf sie beide aufmerksam werden. Pancho versinkt im Waldboden, obwohl Gustave ohne Probleme auf dem Moos stehen kann und Pancho gesteht, dass er vom Tod beauftragt wurde, Gustave im Wald auszuliefern.
Er steht nun echsenschwänzigen Zwergen, gehörnten Uhus und allerlei anderem Getier allein gegenüber. Mutig erzählt er von seinen Aufgaben, woraufhin die Gespenster ihn verhöhnen, sterben müssten sie ja alle. Gustave ist erstaunt und fragt nach, ob selbst diese Wesen sterben müssten, woraufhin sie erkennen, dass dem nicht so ist, da ja einige immerhin schon zweitausendfünfhundert Jahre alt sind. Die Gespenster sind darauf hin so erfreut, dass sie mitten im Wald ein Fest geben, auf dem sie Gustave mit Reisewein abfüllen. Der bewirkt, dass Gustave an einen anderen Ort transportiert wird und so seiner nächsten Aufgabe entgegen treten kann.
Im Tal der Ungeheuer wacht er wieder auf und wird erneut von Pancho begleitet. Zusammen treffen sie auf das Zweitschrecklichste Aller Ungeheuer, die Sorge. Das Ungeheuer sieht wahrlich schrecklich aus, scheint aber an diesen Ort, genauer gesagt an eine Mauer gefesselt zu sein, weil sich die Sorge einen Moment Ruhe gönnte und sich begann Sorgen zu machen! Nun sei sie nicht mehr das Schrecklichste Aller Ungeheuer, sodass Gustave und Pancho weiter gehen.
Auf der Alm der rätselhaften Riesen treffen sie schließlich auf 6 Riesen mit Namen Themaktima, Ologibie, Sophoheilip, Esomitrona, Kishyp und Peihogrega. Ein Riese nach dem anderen verplappert sich, sodass Gustave die Anagramme ziemlich schnell lösen kann, jedoch muss er die Riesen töten, um von der Alm zu gelangen.
In den Bergen des Brodelnden Brodems treffen sie zunächst auf das vermeintlich Schrecklichste Aller Ungeheuer, die Liebe, der Pancho verfällt, sodass er von dem riesigen Krokodil verschlungen wird.
Dann jedoch taucht das wirklich Schrecklichste Aller Ungeheuer auf, die Zeit.
Gustave bittet für seine Aufgabe um einen Zahn der Zeit und das Schwein ist erleichtert, da es einen eiternden Backenzahn hat, den Gustave entfernt. Als Dank führt die Zeit ihn durch einen Galaktischen Gully zu seiner Raumzeitkontinuierlichen Möglichkeitsprojektion in seiner Futuristischen Eventualitätswabe im Universum. Dort trifft er auf sein altes, verrückt scheinendes Ich und wird anschließend auf seinem eigenen Sonnensystem von der Zeit im All, weit entfernt vom Mond, ausgesetzt. Durch Zufall kommen Dante, der ehemalige Matrose von Gustave, und Pancho vorbei und bringen ihn zum Tod, weil nun auch sie für ihn als Seelenentsorger arbeiten.
Auf dem Mare Tranquillitatis angekommen, erzählt Dementia, dass sich ihr Bruder mit Hilfe des Zahns der Zeit umbringen will, was jedoch nicht funktioniert, da man dazu einen Schneidezahn benötigt.
Gustave soll als letzte Aufgabe ein Bild vom Tod zeichnen und zeichnet so gut, wie noch nie. Doch der Tod empfindet das Bild als unter aller Sau.
Nun fürchtet Gustave um sein Leben, doch der Tod erklärt, dass er viel lieber erfahrenen Menschen die Seele raubt, die schon viel erlebt haben und lässt ihn gehen. Er bekommt Flügel vom Tod geschenkt und schwebt damit zur Erde. Zunächst lässt er sich einfach fallen, doch als er die Häuser in Paris immer genauer erkennen kann, will er die Flügel benutzen, doch sie funktionieren nicht. Nun wird er also doch sterben, denkt er und schlägt in einer Straße von Paris auf.
Als Gustave erwacht, liegen seine Schulsachen, Bücher und Zeichenblätter wirr auf dem Boden verteilt und er kann erkennen, dass seine Zeichnung vom Tod tatsächlich stümperhaft ist.
Mir gefällt dieses Buch ziemlich gut, weil ich Fantastisches sehr mag, besonders, wenn es in einer solchen Form vorliegt. Gelungen finde ich auch die Gestalten der Schrecklichen Ungeheuer; so ist das Schrecklichste Aller Ungeheuer die Zeit, das darauf folgende die Zeit und selbst die Liebe ist auf Platz 175. Auch dass die Schulfächer als Riesen dargestellt werden, gefällt mir gut, da es einem oft genug sehr schwer fällt, mit dem Stoff in der Schule klar zu kommen, sodass dieser eben mehr als übermächtig erscheint; doch selbst diese Riesen kann man töten! ;-)